Letzeburger Journal, 10/30/2003Streichorchester einmal ganz andersDas tschechische Kammerorchester unter der Leitung des Dirigenten Andreas Weiser bewies
vergangenes Wochenende erneut im CAPe sein Können souverän und mit spielerischer
Leichtigkeit: Das Divertimento in F-Dur von Mozart war für dieses Ensemble eine
Selbstverständlichkeit und für das Publikum ein Genuß, das Sextett für Streicher in A-Dur
von Dvorak eine gut gelungene Herausforderung. Was war an diesem Abend also das Besondere,
das Außergewöhnliche? Das ganz Besondere dieses Abends war der visuelle Teil zur Musik
Philip Glass, dargeboten von den beiden Pantomimenspielern Alexander Neander und Wolfram
v. Bodecker, die absolut passend zur Musik in Kürze die Entstehungsgeschichte der
Menschheit mit einfachen aber wirksamen Mittel und allgemein verständlicher
Bewegungssprache darboten. Das Publikum kam aus dem Staunen nicht mehr heraus – vor dem
blau erhellten Horizonttuch hob sich schattenhaft das Orchester ab und auf der Vorderbühne
verwandelten sich die Darsteller in sekundenschnell vom unbeteiligten Fußgänger zum
Entdecker einer Botschaft, Menschenaffen hin zum aufrecht gehenden Menschen, poetisch
eindringlich auf Grund der Bildassoziationen und der regelrechten Reise ins Unbekannte der
menschlichen Existenz. Ein Traum, teilweise ein Alptraum aber mit glücklichem Ende, bei
dem der Betrachter durch den tobenden Applaus für Darsteller und Orchester am Ende aus
seinen Empfindungen gerissen wurde. Kurz, ein unvergeßlicher Abend – aber das ist ja in
Ettelbruck wirklich nichts Neues mehr. |